Homöopathie

Homöopathie ist ein eigenes, in sich geschlossenes, logisches Medizinsystem. Homöos heißt ähnlich, pathein heilen, wir behandeln die Symptome einer Erkrankung mit einer homöopathischen Arznei, die beim Gesunden ähnliche Symptome aufweist.

Beispiel:

Ein Patient hat Schnupfen und drückt diese Krankheit mit folgenden Symptomen aus: starker Niesreiz und laufende Nase mit durchsichtigem, ätzendem Sekret, dazu eine Bindehautentzündung mit schmerzlosem Ausfluss. Dies ist zu behandeln mit der homöopathisch potenzierten Zwiebel, denn wir erleben als Gesunder beim Zwiebelschneiden ähnliche Symptome.

Der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, beschrieb das vor 200 Jahren so:

„Eine schwächere dynamische Affection wird im lebenden Organismus von einer stärkeren dauerhaft ausgelöscht, wenn diese jener sehr ähnlich in ihrer Äußerung ist“ (Organon, §26).

Bild von Samuel Hahnemann von 1841

Samuel Hahnemann, Gründer der Homöopathie, geboren 1755.
Daguerreotypie aus dem Jahr 1841

Wichtig ist bei dieser ersten grundlegenden Aussage zu Homöopathie, dass sich die eigentliche Erkrankung und auch die Kunstkrankheit (homöopathische Arznei) nur durch Symptome äußern. Ich kann homöopathisch keinen Schnupfen, keine Pferdekolik, keine Depression, keine Verhaltensstörung der Katze behandeln, denn jeder Patient äußert seine Erkrankung mit seinen individuellen Symptomen.

Der verschnupfte Patient in obigem Beispiel bräuchte wegen seiner beschriebenen Symptome die homöopathisch potenzierten Zwiebel, ein anderer Patient hat bei seinem Schnupfen andere Symptome wie eine verstopfte Nase und bräuchte deshalb eine andere homöopathische Arznei. Aussagen, wie man sie zuhauf im Internet oder schlechter Literatur findet, „Aconit gegen das Fieber, Ledum zur Zeckenprophylaxe“ haben nix mit Homöopathie zu tun, sondern beschreiben nur den Missbrauch homöopathischer Arzneien.

Zum Heilen der Symptome, mit denen jeder Patient seine Erkrankung auf individuelle Weise ausdrückt, brauche ich also eine „Kunstkrankheit“, die genau die gleichen Symptome erzeugt, +1 und -1 ergeben 0, Gesundheit.

Woher weiß ich denn nun aber, welche Arznei welche Symptome erzeugt?

Nun, in dem ich als Gesunder Zwiebeln schneide und dabei Symptome entwickele! Dies war der geniale Kunstgriff von Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie vor ca. 200 Jahren. Er und seine Schüler, allesamt gesunde Menschen, nahmen z.B. Tollkirschen, z.B. Quecksilber ein und beobachteten an sich selbst bestimmte „Vergiftungs“symptome. Dies bezeichnet man als Arzneimittelprüfung, hat man nun einen Patienten, der ähnliche Symptome aufweist wie sie die Prüfung einer einzelnen Arznei ergaben, so kann man den Patient durch diese Arznei heilen, denn die ähnliche Symptome heben sich auf.

Ein einfaches Beispiel:

Eine Frau hat immer mit dem Beginn ihrer Periode leichte Kopfschmerzen, kurz vor dem Einsetzen der Regel bekommt sie jetzt aber eine heftige Erkältung mit Bronchitis und starken Gliederschmerzen. Die Regel kommt, aber der Kopfschmerz bleibt aus. Warum? Weil die starke Erkältung den leichten Kopfschmerz „übertönte“. Ist die Erkältung aber überstanden, kehren beim nächsten Zyklus die Kopfschmerzen wieder. Warum das jetzt? Kopfschmerzen und Erkältung waren sich von den Symptomen völlig unähnlich, deshalb konnte es keine Heilung des Kopfschmerzes durch die Erkältung geben, nur „übertönten“ die heftigeren Erkältungssymptome die leichteren Kopfschmerzsymptome. Wir können aber NICHT im gleichen Körper an gleicher Stelle mit den gleichen Empfindungen / Symptomen zweimal die gleiche Erkrankung haben, von ihren Symptomen ähnliche Krankheiten löschen sich aus. 2 mal genau der gleiche stechende Schmerz im rechten Fußgelenk, besser durch Bewegung und Kälte, das geht nicht!

Ähnlichkeitsregel einerseits und die Übereinstimmung von individuellen Patienten symptomen mit Arzneimittelprüfungssymptomen andererseits, das sind die ersten beiden grundliegenden Aussagen der Homöopathie.

Nun verwendete Hahnemann als Arzneien harmlose Stoffe, aber auch Gifte wie Belladonna (Tollkirsche) oder Quecksilber (Mercur). Um weder Prüfpersonen noch seine Patienten zu vergiften, verdünnte er die Ausgangssubstanzen anfangs nur, also 1 ml Tollkirschtinktur in 1000 ml Flüssigkeit, dann in 10.000 ml usw.. Bei diesem einfachen Verdünnen ließ jedoch die Wirksamkeit schnell nach, also begann er die Ausgangsarzneien spezifisch zu verarbeiten.

Er löste 1 ml Tollkirschtinktur in 100 ml Alkohol, verschüttete das Gemisch, entnahm wieder 1 ml und gab diesen wieder zu 100 ml Alkohol usw. So entstand die schrittweise Verarbeitung, genannt Potenzieren, hier im Verhältnis 1 zu 100, die entstehenden Arzneien liegen als C Potenzen (Centisemal) vor; bei den LM Potenzen beträgt das Verhältnis 1 zu 50000. Es werden feste Ausgangssubstanzen in den beschriebenen Verhältnissen mit Milchzucker verarbeitet, flüssige Ausgangssubstanzen mit medizinischem Alkohol potenziert und am Ende, zur Einnahme stehen Streukügelchen (Globuli) oder Tropfen (Dilution) zur Verfügung.

homöopathische Rollapotheke

Homöopathische Rollapotheke

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Nun ist jedem rechnerisch klar, dass nach einer gewissen Zahl von Potenzierungs- schritten kein stofflicher Gehalt der ursprünglichen Ausgangsarznei mehr vorhanden ist, einer der Hauptvorwürfe der Schulmedizin an die Homöopathie.

Mittlerweile gibt es viele physikalische Erklärungsversuche, wie homöopathische Arzneien ohne messbaren Stoffgehalt doch wirken können, anstelle davon aber hier ein einfaches Beispiel: Sie kaufen sich ein Buch, dessen Lektüre Sie enorm beeindruckt, so dass Sie Ihr Leben danach verändern. Wenn Sie dieses Buch zu einem Chemiker bringen und um eine Analyse bitten, wird dieser Ihnen Zellstoff, Leim, Druckfarbstoffe usw. nachweisen, nur nicht das für Sie allerwichtigste, den Inhalt des Buches. Die Information ist chemisch nicht nachweisbar, obwohl sie das eigentliche Bedeutsame darstellt.

Es ist auch egal, ob diese Information „Was Du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ von unseren Vorfahren einst in Stein gemeißelt wurde, später gedruckt wurde und noch später auf CD gebrannt wurde, die Träger der Information sind unwichtig, also ob Globuli oder Wasser als Überträger für die homöopathische Information genutzt werden, ist egal. Wichtig ist die ursprüngliche Arznei und deren Potenzierung, die Information und ihre Stärke. So ist dann auch erklärbar, dass eine hohe Potenz viel kräftiger wirkt als eine niedrige.

Oder, wie in einem der ältesten Bücher steht:

„Am Anfang war das Wort!“ (=Information)

Die nächste, grundliegende Aussage der klassischen Homöopathie betrifft die Einteilung von Krankheiten.

Wir unterscheiden epidemische, akute, einseitige und chronische Krankheiten, eine akute Erkrankung beginnt mit einer Inkubationsphase, dann kommt die Krise mit ihren eigentlichen Symptomen und dann die Auflösung oder schlimmstenfalls der Tod.

Durch einen Spaziergang im Regen erkälte ich mich und habe nach drei Tagen Unwohlsein dann eine Bronchitis mit meinen individuellen Symptomen. Die zu suchende homöopathische Arznei bezieht sich also nur auf die Bronchitis, bzw. meine Art diese auszudrücken. Die Arznei muss schnell zu finden sein und auch schnell wirken, im Falle einer akuten Kolik beim Pferd innerhalb einer Viertelstunde.

Bei einer epidemischen Krankheit erkranken mehrere Individuen gleichzeitig mit den gleichen Symptomen, ein Pferd kommt nach dem Ausreiten im Regen in den Stall, beginnt zu husten und nach drei Tagen hustet der gesamte Stall.

Einseitige Erkrankung bedeutet, dass eine Erkrankung nach einem Ereignis begann, im Gegensatz zur akuten Erkrankung aber nicht ausheilt; nach der Trennung der Eltern nässt das an sich saubere Kind wieder ein, nach einer Impfung hustet das Pferd.

Alle drei beschriebenen Erkrankungen können sich aber nur auf Grundlage einer gewissen Anfälligkeit manifestieren. Diese Anfälligkeit ist die chronische Krankheit, also keine schulmedizinische Diagnose, sondern der Gesamtzustand des Patienten mit allen seinen Schwächen und Anfälligkeiten. Um nicht nach jedem Regenguss wieder eine Bronchitis zu bekommen, muss dann also der gesamte Patient mit allen seinen Erkrankungen und Eigenheiten behandelt werden, Voraussetzung dafür ist die lange Anamnese (Fallaufnahme).

Pferd bekommt Globuli

Da bei der Herstellung der hom. Globuli diese mit der Arznei besprüht werden, sollte man die Globuli NIE per Hand anfassen, um nicht die Arznei an den Fingern zu haben. Ich gebe die Arznei immer per Röhrchen ein bzw. schicke Sie Ihnen in einer Spritze, damit sie daheim aufgelöst in Wasser ins Maul Ihres Tieres eingegeben werden kann

Im Gegensatz zu Schulmedizin hat Homöopathie nun eine Vorstellung von Gesamt Gesundheit, und dies drückt sich folgerichtig in der Heringschen Regel aus:

Eine Krankheit beginnt in der Peripherie und schreitet zentral vor

Erst müssen wir niesen, dann kratzt es im Hals und dann haben wir die Bronchitis.

Die Heilung hingegen beginnt in zentralen Organen und setzt sich weiter fort in die Peripherie, der schmerzhafte Husten lässt zuerst nach, dann das Kratzen im Hals und schließlich wird die Nase wieder frei.

Das Ganze gilt auch für den Gesamtorganismus mit seinen drei Ebenen (nach Vithoulkas: intellektuell, emotional und körperlich), wenn nach der Behandlung einer Warze Epilepsie auftritt, ist das eine Unterdrückung mit dem Weiterfortschreiten der Gesamterkrankung in den Organismus, genauso wie eine Depression, die nach einer Gebärmutter-OP auftritt.

Heilung bedeutet, Nachlassen des Asthmas und gleichzeitiges Auftreten von Heuschnupfen, Besserung die Legasthenie und Aufflammen der alten Cortison unterdrückten Neurodermitis.

Neben dieser Verlagerung von innen nach außen bei der Heilung (auch so zu finden in der chinesischen Medizin mit ihren Innen- und Außensyndromen) gibt es eine letzte homöopathiespezifische Eigenheit, die der Miasmen. Es handelt sich dabei um die oft ererbte Form der individuellen Abwehr, egal auf welchen Krankheitsreiz.

Nach Vijayakar lässt sich dies wie folgt darstellen: Psora bedeutet Funktionsverlust, die Zelle arbeitet nicht richtig und es entstehen funktionelle Erkrankungen auf allen Ebenen, von der Haut mit Neurodermitis über die Bronchien mit Asthma bis hin zum Gehirn mit Epilepsie.

Irgendwann einmal schaffen es die Zellen eines Organismus aber nicht mehr ihre Stoffwechselprodukte komplett auszuschleusen bzw. hypertrophieren auf einen Krankheitsreiz hin, die Sycose. Es entstehen Warzen, Hypercholesterinämie, Gallensteine bis hin zu benignen Tumoren.

Wenn auch diese Verteidigungsreserven des Organismus erschöpft sind, weiß er sich nicht anders zu helfen als zu zerstören, die Syphilis, es kommt zu destruktiven Krankheiten wie Unterschenkelgeschwür, Morbus Crohn bis zur Multiplen Sklerose.

Heilung muss sich auch hier entgegengesetzt des Krankheitsverlaufes richten, so zeigt eine entstehende Warze bei einem abheilenden Ulcus cruris die richtige Richtung an und wenn die Warze sich zurückbildet und dafür ein Ekzem entsteht, dann ist der Organismus den Weg der Heilung gegangen, von der Destruktion (Syphilis) zur Überproduktion (Sycose) schließlich zur Funktionsstörung (Psora).

Empfohlene Literatur: Vithoulkas: „Homöopathie, Medizin der Zukunft“

Bildnachweise:

Daguerreotype (1841) von Samuel Hahnemann, Gründer der Homöopathie, geboren 1755. Quelle: http://www.homeoint.org/photo/hahnema1.htm

Homöopathische Rollapotheke, Quelle: Ulrich Stach

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