Akupunktur

Akupunktur bedeutet, dass bestimmte Punkte auf der Haut gereizt werden, traditionell durch den Einstich einer Nadel, modern durch einen Laser.

Akupunktur ist Bestandteil der Traditionell chinesischen Medizin (TCM), neben Bewegungslehre (Chi Gong), Pharmakotherapie und Diätetik.

Der gesamten TCM liegt die Vorstellung zu Grunde, dass in einem gesunden Organismus eine Lebensenergie, das CHI fließt und dabei alle Teile des Organismus je nach Beanspruchung durchströmt. Dabei läuft das Chi auf bestimmten Bahnen. Da Chi nicht materiell ist, sind es diese Bahnen, die sogenannten Meridiane auch nicht, aber auch unsere Erde kreist seit Jahrmillionen um die Sonne und braucht dazu keine Straßenbahnschienen.

Verlauf des Meridians Lunge auf Hand und Arm

An der Stelle, an denen das Chi auf einem Meridian auf die Oberfläche tritt, befindet sich der jeweilige Akupunkturpunkt, ähnlich wie eine Ampel.

Im gesunden Zustand fließt nämlich das Chi gleichmäßig in 24 Stundenrhythmus je nach Beanspruchung durch den Körper, im kranken Zustand hingegen staut sich an einer Stelle, was logischerweise dann bedeutet, dass es an anderer Stelle zu wenig ist. Und genau um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren, dazu nutzen wir die Ampeln, unsere Akupunkturpunkte.

Ein weit verbreiteter Fehler ist die Annahme, dort, wo es gerade weh tut, sämtliche Akupunkturpunkte mit Nadeln stechen zu müssen und dabei nur die Fülle zu behandeln. Kommt ein menschlicher Patient und klagt über Kopfschmerzen, pulsierend und mit hochrotem Kopf und hat dabei gleichzeitig eiskalte Füße, so braucht er nicht Akupunkturnadeln in sämtliche Punkte am Kopf gestochen, sondern er benötigt nur ein bis zwei Nadeln in Punkte am Fuß, um das Ungleichgewicht zwischen Kopfschmerz und kalten Füßen auszugleichen.

Die Meridiane und die darauf liegenden Akupunkturpunkte sind nun nicht wild über den Körper verstreut, sondern auf eine logische Art und Weise angeordnet. Diese Logik entspricht der chinesischen Vorstellung, dass sich jedes Leben in einem ständigen Wechsel zwischen zwei Polen befindet, dies sind Yin und Yang.

Das Ying/Yang-Zeichen

Die bekannte Abbildung dieser zwei grundlegenden Polaritäten, die Monade, zeigt aber auch deutlich, dass die beiden Kräfte nicht gegensätzlich sind - es befindet sich immer ein Teil Yin im Yang und umgekehrt - und sie gehen auch ineinander über;

in der Mittagszeit ist zum Beispiel das Yang am größten, aber es beginnt hier schon abzunehmen und dem Yin Platz zu machen, damit dieses zu Mitternacht am größten ist, um dann seinerseits wieder abzunehmen. Auch kann höheres Leben nur durch die Verschmelzung der männlichen Samenzellen mit der weiblichen Eizelle entstehen.

Und nach genau diesem Prinzip sind die Meridiane am Körper angeordnet. Die weiblichen Meridiane (Yin) beginnen oder enden an der (nährenden Mutter)Brust, verlaufen am Körper vorne, dann auf der Innenseite der Extremitäten, um dort an den Enden (Huf, Kralle, Finger) in die Yang Meridiane überzugehen. Diese beginnen oder enden am Kopf und verlaufen dann über die Außenseite der Extremitäten bis zu deren Spitzen.

So sind die Meridiane rechts und links immer dem gleichen Verlauf paarweise angeordnet – nach dem Yin und Yang Schema - und haben mit ihren Akupunkturpunkten nicht nur Einfluss auf das darunter liegende Gewebe, sondern auch auf zugeordnete innere Organe.

So verläuft der Yang Meridian Dickdarm außen am Arm, hat auf der Innenseite seinen Yinpartner die Lunge, und der Akupunkturpunkt Dickdarm 11 liegt am Ellenbogen, hat einen Einfluss auf Schmerzen an dieser Stelle zum Beispiel den Tennisellenbogen, wirkt aber auch anregend auf das zugeordnete Organ, den Dickdarm bei Verstopfungen. Hat der Patient eine akute Blasenentzündung, so ist nach chinesischer Vorstellung die YangHarnblase in Fülle und der YinPartner Niere in Leere, die zu stechenden Akupunkturpunkte sollten also das Chi von der Harnblase zur Niere lenken.

Akupunkturnadeln auf dem Meridian Lenkergefäß an Hinterkopf und oberen Rücken

Wir können also therapeutisch den Verlauf der einzelnen Meridiane nutzen - der Harnblasemeridian zieht über den Scheitel zum Hinterkopf über den gesamten Rücken über den hinteren Teil unseres Beines und ist somit verwendbar bei Nackenkopfschmerz, Hexenschuss und Ischiasbeschwerden - und die Zuordnung zu den inneren Organen, beim Harnblasemeridian also bei Harnblasenentzündungen, Blasensteinen etc..

Jedoch sind die inneren Organe in der chinesischen Medizin weit mehr, als deren westliche Entsprechung in der Anatomie.

Der Chinese kennt entsprechend seines Schemas von Yin und Yang fünf Organpaare:

  • Leber & Gallenblase
  • Herz & Dünndarm
  • Milz & Magen
  • Lunge & Dickdarm
  • Niere & Harnblase

und ordnet diesen Organpaaren sämtliche körperlichen wie auch emotionalen Funktionen zu.

So läuft mir eine Laus über die Leber, wenn ich ärgerlich bin und ich balle die Hand zur Faust und schlage mit der Kraft meiner Muskeln zu, die Leber ist also verantwortlich für die Verarbeitung der Emotion Zorn und Ärger und dirigiert die Bewegung, die Muskulatur, mit deren Hilfe ich in einer Konfliktsituation entweder kämpfen oder wegrennen kann. So lassen sich zum Beispiel Erkrankungen der Schilddrüse behandeln, ohne dass der Chinese die Schilddrüse als solche kennt, aber er kann die Symptome von Schilddrüsenerkrankungen in sein Schema von Yin und Yang und den fünf Organpaaren zuordnen.

Akupunkturnadeln in der Hand

3 Nadeln auf dem Lungenmeridian (Daumenseite), LU11, LU10 und LU6,
1 Nadel in der Mitte des Armes, 3 Erwärmer8 und eine Nadel auf der Kleinfingerseite, Dünndarm3, dieser Punkt schaltet das LG ein

Akupunktur beginnt also mit dem Stechen von Nadeln an lokale Akupunkturpunkte – DaWos Regel, da wo es weh tut, z.B. am Ellenbogen bei der Tennisbogenellenerkrankung -, geht weiter über das Erkennen eines aktuellen Ungleichgewichts bei einer akuten Erkrankung - bei einem Harnblasenentzündung ist die Harnblase mit ihrem Schmerz und dem Blut im Urin in Fülle und der zugehörige Partner Niere in Leere - bis hin zum Erkennen eines längerfristig gestörten Chiflusses beim chronisch Erkrankten - der unter Schläfenkopfschmerz, Gallenblasengries und chronischen Ischiasschmerzen leidet und damit ein Ungleichgewicht zwischen Niere und Leber aufweist.

Bei vielen Erkrankungen reicht der alleinige Einsatz der Nadeln aus, bei manchen Erkrankungen macht es Sinn, diese Nadeln zusätzlich noch elektrisch zu stimulieren. Unser Nervensystem arbeitet über lange Strecken elektrisch, grundsätzlich haben alle Zellen im Körper an ihrer Zellmembran ein elektrisches Potential. Daher macht die Elektroakupunktur v.a. Sinn bei Krankheiten des peripheren Nervensystems (Lähmungen, Paresen, Polyneuropathien und Neuralgien) und Erkrankungen des Bewegungsapparates (Arthrosen, restless Legs und Sehnenentzündungen).

Das jeweils gestörten Gleichgewichts zu korrigieren, das ist die Kunst in der Akupunktur.

Auch ist Akupunktur meiner Ansicht nach völlig naturgesetzlich, eine akute Erkältung muss schnell mit ein bis zweimal Nadeln stechen behandelbar sein, für ein akut angerissenes Kreuzband im Knie braucht es schon länger Zeit, da die Materie beschädigt wurde. Ein seit zehn Jahren bestehendes Asthma braucht mehr Akupunktursitzungen und benötigt länger Zeit zur Besserung bei guter Prognose, ist hingegen ein Gelenk durch eine Arthrose schon ziemlich beschädigt, benötigt es mehrere Akupunktursitzungen in längeren Abständen, um wenigstens den Schmerz zu nehmen, eine komplette Wiederherstellung ist nicht möglich.

So stellt die Akupunktur ein ganzheitliches Verfahren dar, dass sämtliche Krankheiten und emotionale Äußerungen des Patienten berücksichtigt und versucht dies in dem Stechen einiger weniger Akupunkturpunkte umzusetzen.

Natürlich muss der Patient dabei mitspielen, Patienten mit Furcht von Nadeln sind nicht behandelbar, auch sollte der Patient seine Lebensführung an die Krankheit anpassen. Ein Mensch, der in seinem Beruf fast ausschließlich sitzt, braucht eine Ausgleichsbetätigung für seine Rücken- und Gelenksschmerzen, Akupunktur alleine kann nicht helfen. Akupunktur kann keine unnatürlichen Lebensumstände ausgleichen, ein Pferd hat sich über Jahrhunderttausende dahin entwickelt, den ganzen Tag in Bewegung über eine freie Fläche zu ziehen und Nahrung aufzunehmen. Das Einsperren der Pferde in enge Boxen und die daraus resultierende fehlende Bewegung, das übermäßige Zufüttern von Kraftfutter, das alles macht krank und ist auch nur durch eine natürliche, artgemäße Haltung korrigieren, nicht durch Akupunktur.

Legende zu den Fotos:

Um nicht mit Urheberrechten konfrontiert zu werden, schildere ich Ihnen kurz den Fall eines Patienten mit 2 Bildern, eines Patienten, den ich am besten kenne, MICH SELBST.

Nach einer trotz Schulmedizin überstandenen FSMEncephalitis blieb als Schaden ein geschwächter (paretischer) linker Arm übrig. Die Viren der FSME befallen Hirn- und Rückenmarkshäute und hier die Abgänge motorischer Nerven, bei mir am linken Halsrückenmark, so dass die Muskeln des linken Armes nicht angesteuert werden, was zu einer Schwäche mit Empfindlichkeit gegen Kälte führt.

CHINESISCH haben wir es mit einem YANG MANGEL zu tun und müssen den linken Arm tonisieren. Besonders betroffen sind bei mir Daumen und Zeigefinger durch den betroffenen Nerv, den Nervus radialis.

Dieser entspricht von seinem Verlauf dem LUNGENmeridian, die eingestochenen Nadeln zeigen die Punkte Lunge11, Lunge10 der Feuerpunkt und Lunge6. Zusätzlich wird der Punkt 3Erwärmer8 gestochen, er ist der Saugpunkt der drei Yangmeridiane des Armes.

Da der Schaden aber direkt am Rückenmark liegt, wird noch der AkupunkturMeridian genadelt, der direkt über die Mitte des Rückens läuft, das LENKERGEFÄß, hier mit den Punkten Lenkergefäß14 und Lenkerfäß20. Um diesen Meridian einzuschalten, kommt noch der Punkt Dünndarm3 an der Handaußenkante dazu.

Bildnachweise:

Ying-Yang-Zeichen: glenzend.de

Quelle restlicher Fotos: Ulrich Stach

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